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Tessa Talk

Friedrich Hegel hat vor etwa 200 Jahren sinngemäß gesagt, die Lektüre der Tageszeitung sei für den aufgeklärten Menschen der Ersatz für das Morgengebet. Wie aber jetzt, wo das 21. Jahrhundert ganz neue Anforderungen an unsere Aufnahmekapazitäten, an unsere Sortierfähigkeit stellt? Die Morgenmeditation – die Tageszeitung – ist oft noch am Ipad mit dabei – zumindest in meiner Generation. Doch jeder hat bereits seinen eigenen Mix an rein digitalen Infoquellen. Große Korporationen wie die BBC können immer noch den Anspruch haben, alle Nachrichten abzudecken. Kleine, neue Medien aber wollen etwas anderes. Sie spitzen zu, sie schneiden aus, sie geben Orientierung in der wilden, weiten Welt des Internets.

Szylog ist mein bilingualer Blog. Mit Szylog, mit meinen Artikeln in profil, Cicero u.a., mit Interviews in britischen Medien, mit der Serie Philoxenia, die ich beim Bruno Kreisky Forum für Internationalen Dialog in Wien kuratiere, liefere ich Einblicke in Vorkommnisse in London, in Großbritannien, im Nahen Osten, Russland und Europa. Ich lebte und arbeitete in den Neunzigerjahren im Nahen Osten, in Jerusalem, als es Hoffnung gab auf ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Später beobachtete und beschrieb ich von Brüssel aus, wie sich die Europäische Union zur Jahrtausendwende eine eigene Währung gab. Schießlich zog ich nach Moskau und sah acht Jahre lang zu, wie Putin seine autoritäre Kleptokratie aufbaute. Als ich 2010 endlich in London eintraf, stellte ich erfreut fest, dass alle Fäden hier zusammenlaufen: Israelis, Palästinenser, die arabische und die jüdische Welt, die Russen, Tschetschenen und Europäer aller Art. Dann aber stimmten die Briten 2016 für den Austritt aus der EU. Seitdem kämpfen Proeuropäer und Brexitiere um ihre Vision für das Vereinigte Königreich. Szylog begleitet sie dabei.